Wallfahrtsgeschichte
Droben stehet die Kapelle
Vorholz heißt der Höhenrücken über Ottbergen, und er schiebt sich mit als einer der letzten Ausläufer der bergigen Vorharz-Landschaft in die Norddeutsche Tiefebene hinaus. An seinem Ende bildet er geradezu einen Balkon für den vor ihr aufgestellten Altar. Unsere Vorfahren - und das gilt auch schon für die Vorchristlichen - liebten es, solche markanten Punkte in der Landschaft mit gottesdienstlichen Stätten zu schmücken.
Der Legende nach geht die Wallfahrt zur Kreuzkapelle auf eine Erscheinung des Kreuzes Christi zurück, die in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts auf dem Berg einem Schäfer zuteil wurde.
Verbürgt ist, daß Pfarrer Glontz dort Anfang des 18. Jahrhunderts eine hölzerne Kapelle errichtete, in der er am Kreuzerhöhungsfest eine Andacht hielt. Unter Pfarrer Dannhausen wurde die hölzerne Kapelle 1726 durch eine steinerne ersetzt und eine zusätzliche Wallfahrt auf Karfreitag gelegt. Im Jahre 1836 schenkte Papst Greogor XVI der Kapelle eine Partikel vom Kreuze Christi. In jenen Jahren wurden auch auf dem Wege zum Berge die 14 Kreuzwegstationen aufgestellt und eine Lindenallee angepflanzt.
Der begüterte Zisterziensermönch Johannes Vorwerck ließ zur besseren Betreuung der Wallfahrten 1853 in Ottbergen ein Kloster bauen und schenkte es dem Bischof von Hildesheim. Dieses Kloster wurde zunächst von Kapuzinern und ab 1868 von den Franziskanern übernommen. Im preußischen Kulturkampf 1875 wurden die Franziskaner das erste mal vertrieben. Nach dem Kulturkampf nahmen die Franziskaner die Wallfahrtsbetreuung wieder auf. Für den nun immer größeren Zuspruch der Wallfahrer, vor allem aus den 28 umliegenden Stiftsdörfern, war die Kapelle schon längst zu klein geworden. Den Bau einer großen Wallfahrtskirche konnte sich die nach dem Kulturkampf verarmte Gemeinde nicht leisten. Deshalb wurde 1905 die Kapelle um eine 5 m tiefe neuromanische Vorhalle mit Dreiecksgiebel und Drillingsarkade aus Sandstein, einer Kanzel auf der linken Seite und einem 25 m hohen Turm auf der rechten Seite erweitert. Mit einem Altar in der Vorhalle und der Predigt von der Kanzel konnten jetzt mehr als 10 000 Wallfahrer die Gottesdienste mitfeiern.
Am Anfang des 3. Reiches kamen zum Fest Kreuzerhöhung bis zu 20 000 Wallfahrer, um in dieser schweren Zeit die klaren eindeutigen Worte ihres Bischofs Josef Godehard Machens zu den Irrlehren der damaligen Zeit zu hören. Die Rache der Mächtigen ließ nicht lange auf sich warten. 1941 wurden die Franziskaner das zweite mal aus ihrem Kloster vertrieben. Die Franziskaner kamen 1946 wieder. Diesmal wurde das Kloster Heimat für die vertriebenen schlesischen Franziskaner. Die Tradition der Wallfahrt lebte nach dem Krieg, als noch überall Not herrschte, mit 15 000 Wallfahrern wieder auf, aber dem Trend der Zeit folgend wurden es mit zunehmenden Wohlstand weniger. Heute kommen zur Diözesanwallfahrt am Sonntag nach dem 14. September noch 2000 bis 3000 Wallfahrer. Im Laufe des Jahres, besonders in der Karwoche, kommen aber viele kleinere Wallfahrtssgruppen, beten an den Stationen an der Allee den Kreuzweg mit Abschluß in der Kapelle.
Der Westhang des Kapellenberges und der anschließende Höhenrücken sind wegen seiner einmaligen Lage mit Blick in die Norddeutsche Tiefebene unter Naturschutz gestellt worden. Der volle Parkplatz mit Bushaltestelle am Fuße des Berges zeugt an Sonntagen mit schönem Wetter von der Beliebtheit dieses Naherholungsgebietes. Viele verbinden eine Wanderung mit einer stillen Einkehr in der 1911 rechts neben der Kapelle errichteten Lourdesgrotte. Gerade an warmen Sommerabenden kann man von den Bänken an der Kapelle den Sonnenuntergang still genießen. Dazu paßt ein Vers des Ottberger Liedes:
Vom Berge her grüßt die Kapelle,
von frommen Männern einst gebaut,
da hab' ich oft in stillen Stunden
hinein ins weite Land geschaut.