Kreuzkapelle Ottbergen

Eine um 1870 gepflanzte Lindenallee bildet den Weg zur Kreuzkapelle. Leider fielen im Jahre 2007 ca. 30 Bäume einem Unwetter zum Opfer. Neuanpflanzungen füllen inzwischen die entstandenen Lücken. Auf der westlichen Seite der Allee stehen Kreuzwegstationen, die im 18. Jahrhundert aufgestellt wurden. Sie sind seit 1962 mit Keramikbildern der Osnabrücker Künstlerin Ruth Landmann versehen. Unter den Darstellungen stehen Texte einer Kreuzwegandacht des Berliner Katholikentages von 1956.

Der Weg zur Kapelle führt auch an der Lourdesgrotte vorbei, die im Jahre 1911 auf Initiative des Hildesheimer Zahnarztes Alexander Schreiber erbaut wurde. Die Ursprünge der Kapelle und der Kreuzwallfahrt gehen zurück in die Jahre um 1680. Im Volksmund heißt es, dass eines Abends ein Schäfer über dem Berg ein großes leuchtendes Kreuz gesehen habe. In diesen Jahren wird Ottbergen und die Umgebung von der Pest bedroht. Die Menschen ziehen in ihrer Not zum Ort der Vision und beten um Hilfe. Sie begründen damit die Tradition der Ottberger Wallfahrt.

Um 1700 baut der Ottberger Pfarrer Johannes Erasmus Glunz eine hölzerne Kapelle auf dem Kreuzberg. Im Jahr 1726 wird von dem damaligen Pfarrer Joseph Dannhausen OSB eine Kirche aus Stein errichtet. Dieses Gebäude besteht im Kern noch heute und bildet den Innenraum der Kreuzkapelle. Da die kleine Kapelle nicht mehr alle Pilger aufnehmen kann, wird im Jahr 1905 eine neuromanische Vorhalle gebaut, in der ein Altar aufgestellt wird. Links erhält der Vorbau eine Außenkanzel und auf der rechten Seite wird ein 25 m hoher Turm errichtet. Der Entwurf stammt von Prof. Christoph Hehl, Hannover und die Werkzeichnungen wurden von Zimmermeister Johannes Hogreve, Ottbergen angefertigt. 1944 stürzt ein Teil des Turmes der Kreuzkapelle ein. Er wird schließlich ganz abgetragen und 1948 in der heutigen Form wieder errichtet.

Außen am Turm hängt ein Holzkreuz mit einem fast lebensgroßen aus Holz geschnitzten Corpus aus dem 18. Jahrhundert. Im Turm hängt eine Bronzeglocke, die 1936 gegossen wurde. Sie wird auch heute noch von Hand geläutet. Im Jahr 1980 wird in zahlreichen kirchlichen Veranstaltungen das 300-jährige Jubiläum der Kreuzwallfahrt in Ottbergen gefeiert. Hierzu wird auch die Kreuzkapelle renoviert und umgestaltet. Durch das hierbei geschaffene gläserne Portal betritt man den Innenraum der Kapelle.

Hervorzuheben sind der Tabernakel aus Bronze, besetzt mit Citrin sowie der Ambo aus Bronze mit fünf Citringruppen. Im Unterbau des Altares ist ein Reliquienschrein eingearbeitet. In ihm befindet sich ein Partikel vom Kreuz Christi. Diese Reliquie ist seit 1836 im Besitz der Kreuzkapelle. An der rechten Seitenwand befindet sich das bronzene Epitaph des Domkapitulars Freiherr von und zu Weichs aus Dingelbe, einem Gönner der Kapelle. Ein Kreuz im Fußboden markiert die Stelle seiner Gruft. Die Stirnseite hinter dem Altar wird beherrscht von einem Holzkreuz mit aufgemaltem Corpus. An den Balkenenden befinden sich Darstellungen der Evangelisten. Das Kreuz ist zum Ende des 17. Jahrhunderts einzuordnen. Es ist eine Leihgabe der Pfarrgemeinde St._Mauritius in Hildesheim. Links des Altars hängt ein 1886 entstandenes Ölgemälde von Friederich Eltermann, Hildesheim. Das hochformatige Bild stellt die Anbetung des leeren Kreuzes auf dem Golgathahügel dar. Dieses ehemalige Altarkreuz war nach 1980 in Vergessenheit geraten. Nach erfolgreicher Restauration hängt es seit 2005 wieder in der Kreuzkapelle. Die Fenster wurden nach einem Entwurf von Josef Nienhaus, Ahaus-Wessum, gefertigt. Die Hauptinhalte der Heilsgeschichte – Schuld und Erlösung – sind Ausgangspunkt der thematischen Gestaltung. Dabei fällt dem Baum eine wichtige Aufgabe zu: als Symbol der Sünde im Paradiese, als Kreuzesbalken des Baumes der Erlösung und als Lebensbaum in der Vollendung. Eine Tafel über dem Weihwasserbecken erinnert daran, dass das Weltjugendtagskreuz auf dem Weg zum Weltjugendtag 2005 in Köln in der Kreuzkapelle Station gemacht hat.

Hans-Georg Schrader

Mit Auszügen aus: Unbekanntes entdecken – Kirchen in der Gemeinde Schellerten